Luther-Ratgeber - heute: Die großen drei N : Nachbarschaft, Naivität, Niedertracht!

01.04.2012
Oder: Was „Freundschaft“ so alles schaffen kann!

 

Mit dem Blick eines konspirativen Schlau-Michels kommt ein Freund vorbei, in der Hand Fotokopien. Freudig zeigt er mir seine Fund­stelle „Muß ich ständiges Hundegebell ertragen?“ Antwort: Das Oberver­waltungsgericht in Bremen hat unter 1 B 215/09 gerichtet. Und demnach kann die zuständige Behörde die Tiere sogar wegnehmen.

 

Der Hintergrund: Hier in Tauche, am Sitz unseres Tierschutz-Vereins TuMeL e.V., leben so vielleicht 420 Bürgerinnen und Bürger und be­stimmt mehr 50 Hunde. Auf dem Dorf war das so und bleibt es so! Der Hund hält Wache und meldet Bösewichter und auch willkomme­nen Besuch!

 

Am anderen Ende des Dorfes ist Marions Bierstübchen. Dort kehre ich schon mal ein. Wenn ich dann genug „Flüssig-Brot“ (so nannte das mein seliger Vater Otto) zu mir genommen habe, mache ich mich auf den Weg nach Haus, zu Fuß, versteht sich. Kaum betrete ich die Straße, meldet dies der Hund von Barbara und Detlef (und in Rich­tung Dorf auch gleich den Nachbar-Hunden). Sobald ich also auf ca. 50 Meter in Richtung nächstes Gehöft mit Hund zulaufe, bellt der Hund dort. Die letzten drei (heute sehe ich nur zwei) bewachen das Grundstück gegenüber dem Vereinshaus. Und damit Sonny, die zweijährige Jack-Russel-Mischungshündin, die jetzt dem Verein gehört und vorher der Gisela, die jetzt im Tierhimmel ist, gehörte, auch weiß, daß ich jetzt heim komme, bellen die drei schon drei Minuten, bevor ich am Haus bin. Jetzt weiß Sonny Bescheid und steht mit allen vier Pfoten auf dem Ohrensessel im Wohnzimmer, um durch das Fenster meine Ankunft freudig zu beobachten.

 

Jetzt behaupten einige Zeitgenossen, die Nachbarhunde seien nicht so gut erzogen! Kann ich nicht beurteilen. Gut, von abgerichteten

deutschen Schäferhunden weiß ich, die bellen natürlich (unnatürlich) nur, wenn Herr und Gebieter dies befehlen!

 

Sagt mein deutscher Freund, der mit dem Gerichtsurteil: Ich habe dir gleich eine Kopie mehr gemacht, kannst ja nachts – heimlich – eine Kopie bei den Nachbarn in den Briefkasten stecken! – Gute Idee! Finden Sie, lieber Leser sicher auch! Oder?

 

Wie ist das auf dem Dorf? Ist da jeder des nächsten Daibel? Ich kenne das so: Ich benötige eine große, sichere Leiter, um an der Scheune, zwölf Meter hoch, zu werkeln. Am Zaun des an unser Grundstück anschließenden Nachbarbereiches sehe ich Willfried (diesmal mit 2 L, weil Willfried immer Frieden will), unseren Ortsvorsteher. Ich frage, ob er mir seine Leiter ausborgt. Antwort: Du weißt wo sie steht!

 

Anderes Beispiel: Nach Ingrids Tod will ich mit Handwerkern den Grabstein aufstellen. Professor Schoenholtz, dessen Arbeit der Stein ist, gibt vor, der müsse mittels Stahlstangen verankert werden, um die erforderliche Standfestigkeit zu gewährleisten. Also wird eine Hilti (schwere Profi-Bohrmaschine) zum Einsatz kommen! Der Schlosser braucht nur noch den Strom. Am Sonnabend soll das Werk verrichtet werden. Also am Vorabend zu „Klausi“. Am nächsten Tag liegt bereits eine funktionsfähige Kabeltrommel auf dem Friedhof. Klausis Pferdekoppel grenzt an den Kirchhof.

 

Nun bin ich Teetrinker. Und mal ’ne Molle bei Marion! Auch ist nicht unbekannt, daß ich manchen Abend auch mal ein Gläschen Wein, besonders wenn Besuch da ist, genieße. Im Laufe der Jahre habe ich so meine Gewohnheiten entwickelt und bin so auf bevorzugte Weinlieferanten gekommen, deren Angebot preislich gut ist und die dann auch noch fuselfreie Tropfen schicken. Dann bestelle ich bei Bedarf, und die Kartons kommen dann per Post. Nun bin ich ja bekanntermaßen auch oft in Berlin – besonders in Schöneberg in der Luther-Gemeinde! Was macht nun die Postbotin, wenn ich nicht in Tauche bin? Sie klingelt bei den Nachbarn mit den

Hunden. Komme ich von Berlin zurück, steht Trautchen schon in der Tür und hievt mir die Kartons über den Zaun.

 

All das dürfte dann für alle Zeiten vorbei sein, wenn ich diese „Botschaft des Gerichtsurteils“ in den Kasten stecke! Selbst wenn ich Handschuhe zur Vermeidung von Fingerabdrücken anziehe und eine tiefschwarze Nacht nutze um ungesehen zu bleiben, sie wird sich denken können woher „der Wind weht!“ Außerdem sind da noch die Hunde, die mich verraten würden, und was sagt nicht der Volksmund: „Schlafende Hunde soll man nicht wecken“!

 

In diesem Sinne mit meiner Empfehlung guter Nachbarschaftspflege

 

Ihr

Udo Ladewig

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Luther-Ratgeber - heute: Die großen drei N : Nachbarschaft, Naivität, Niedertracht!